Chronik

Besiedelt ist das Gebiet um Lövenich und Widdersdorf schon seit Bronze- und Eisenzeit, wie Funde in der Widdersdorfer Flur belegen. Erstmals urkundlich erwähnt wird Widdersdorf im Jahr 1109, als der damalige Abt der Benediktiner-Abtei Brauweiler viele Güter in „Wedersdorp“ von einer Frau Sigewiz zum Geschenk erhielt. Einen Sportverein gönnten sich die rund 800 damaligen Widdersdorfer Einwohner aber erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, als sich im Kölner Westen ein recht reges Vereinsleben entwickelte. 1901 z.B. gründete sich der Männerchor „Cäcilia“, 1903 entstand eine örtliche Gruppe des Deutschen Roten Kreuzes, seit 1918 gab es den Musikverein „Harmonie“ und seit Beginn der 20er Jahre den Mandolinenclub, aus dem ein Tambourcorps und später der Fußballverein „Teutonia“ hervorgehen sollten.

Im Mandolinenclub spielte man nämlich nicht nur das Instrument, sondern auch Schlagball, das klassische Spiel der katholischen Jugend- und Sportbewegung „Deutsche Jugendkraft“ (DJK). Warum nicht auch einmal den Ball mit den Füßen bearbeiten, dachten sich die sportbegeisterten Herren J. Hoffzimmer, H. und M. Möltgen, H. Schiffer, P. Gierlich, J. Mertens, M. Mehling, H. Rösgen, P. und A. Mück und H. Schneider am Peter- und Pauls-Tag (29.6.) 1924, setzten sich zusammen und entwickelten die Grundzüge eines zukünftigen Fußballvereins. Mit tatkräftiger Unterstützung der Herren Koch und Rehbach war bald eine geeignete Weide als Sportplatz gefunden, und im September 1927 wurde dann der Sportverein „DJK Teutonia Widdersdorf“ offiziell ins Leben gerufen, d.h. beim Verband angemeldet. Im September 1929 stellte die Katholische Kirchengemeinde St. Jakobus übrigens die Platzfläche zum Fußballtraining zur Verfügung, die heute noch vom Verein an der Mozartstraße genutzt wird.

Allein mit den anfallenden Eintrittsgeldern ließ sich allerdings kein funktionierender Sportbetrieb aufbauen — ein Problem, dass sich bis in unsere Tage fortsetzen sollte. Innerhalb der Widdersdorfer DJK wurde deshalb der Theaterverein „Rigoletto“ ins Leben gerufen, der innerhalb kurzer Zeit im nördlichen Landkreis Köln eine ausgezeichnete Resonanz zu verzeichnen hatte. Die drei bis vier Aufführungen pro Jahr in dem 350 Zuschauer fassenden Saal der Gaststätte Schlömer waren immer restlos ausverkauft. Später wagte man sich, ermutigt durch den Erfolg des Ensembles, mit Aufführungen sogar in andere Orte des Landkreises.

Die Fußballabteilung profitierte derart von den Zuwendungen der Theatergruppe, dass in den 30er Jahren einer Mannschaft (Weiden, Fuhrmann, Halber, Kreuer, H. und R. Reetz, Koch, Mück, Schneider, Schüller, Konrads) sogar der Aufstieg in die „Bezirksklasse Groß-Köln“ gelang. Die bald beginnende Nazi-Zeit allerdings sollte einschneidende und keineswegs positive Veränderungen für den Verein mit sich bringen. 1936 wurde die Deutsche Jugendkraft im Zuge der Gleichschaltung aller jugendpolitischen und sportlichen Aktivitäten verboten. Die Widdersdorfer Fußball-Fans versuchten zwar, den Ball unter dem Dach des Westdeutschen Spielverbands weiter im Spiel zu halten, bekamen aber von der Kirchengemeinde die Platzanlage gekündigt, da sie nun nicht mehr einem katholischen, sondern einem staatlichen Verband angehörten. So musste der Fußball in Widdersdorf langsam verkümmern, bis der ausbrechende 2. Weltkrieg 1939 auch die letzten sportlichen Aktivitäten erstickte.

Nach — im wahrsten Sinne des Wortes — verlustreichen Jahren nahm am 5. März 1945 die amerikanische 104. Infanteriedivision unter General Perry Allen Widdersdorf, Weiden und Lövenich ein. Der Krieg war beendet, und mit größer werdendem Abstand zu den Schrecken dieser Zeit und nach Behebung der größten Not wandte man sich zögernd auch wieder den angenehmen Dingen des Lebens zu. Die Theatergruppe „Rigoletto“ trat ab 1948 erneut im Schlömerschen Saal auf, wurde allerdings 1954 ihrer Auftrittsmöglichkeiten beraubt, als eben dieser Saal als Flüchtlingsunterkunft requiriert wurde. Die Fußballfreunde drängten nach einem erfolglosen „Viktoria“-Intermezzo auf Revitalisierung der Teutonia und trafen sich im September 1957 im Lokal Köllen. Das Ergebnis dieser Zusammenkunft teilte die Lokalpresse der Landkölnischen Bevölkerung mit: „Die Teutonen sind wieder da!“

Der neuformierte Vorstand (H. Meyer, F. Klein, R. Lassau, J. Ziolkowski, Th. Mehling, H. Thomer, M. Reiser und H. Köllen) konnte dem Verein mit Unterstützung der Zivilgemeinde und der kath. Ortskirche das Gelände an der Mozartstraße als Sportplatz sichern. Herrichtung und Ausstattung des Platzes erfolgten in Eigeninitiative im idealistischen Geist der DJK, und Ende August 1959 konnte im Rahmen eines festlichen Programms die Einweihung des neuen alten Geländes stattfinden — der Fußball war zurück in Widdersdorf! Begonnen wurde mit je zwei Senioren- und Jugendmannschaften, die sich schon bald erfolgreich zeigten: Die 1. Mannschaft hatte sich, kontinuierlich aus dem eigenen Nachwuchs verstärkt, zur Saison 1964/65 bis in die 1. Kreisklasse vorgespielt, die 2. Mannschaft konnte in der selben Spielzeit in die 2. Kreisklasse aufsteigen!

Die frühen 60er brachten aber auch eine Öffnung des Vereins weiteren Sportarten gegenüber. Im Mai 1963 waren es die Widdersdorfer Frauen, die eine Gymnastikabteilung ins Leben riefen und zunächst als Übungsstätte nur die Brauweiler Turnhalle nutzen konnten. Weitere Damen gründeten im Herbst 1963 unter Leitung von Sportlehrer Ziegler eine Damen-Handballmannschaft, die sich bis 1971 in die 1. Kreisklasse vorgearbeitet hatte. Das erfolgreiche Spiel der Damen animierte 1967 zur Aufstellung einer Mädchen-Mannschaft, und ab 1970 hatte der Verein sogar eine männliche B-Jugend im Handball, die im ersten Jahr der Meisterschaftsteilnahme schon einen 2. Platz belegte. Nach einem überaus positiven Jahrzehnt für den Handball neigte sich dessen Zeit bei der Teutonia dann mit dem Weggang des Trainers Herr Neunzig im Frühjahr 1973 seinem vorläufigen Ende zu.

Das Jahr 1969 bescherte mit der Einweihung der Widdersdorfer Turnhalle am 17. Dezember dem Verein ganz neue Möglichkeiten. Neben der bereits erwähnten Damengymnastik-Abteilung und den Handballmannschaften fand sich nun auch Trainingsplatz und —zeit für Herrengymnastik, Kinderturnen und verschiedene Volleyball-Mannschaften. Der Verein wuchs auf über 600 Mitglieder bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 3.500 Widdersdorfern.

1972 nahte dann das Ereignis, das bis heute nicht nur die Fußballer fasziniert: Die 1. Mannschaft erkämpfte sich in einem Entscheidungsspiel gegen den VfR Bachem (2 : 1 erst in der Verlängerung!) den Aufstieg in die Bezirksklasse und damit die höheren Weihen der Freizeit-Fußballer! Dieses Ereignis wurde bei Musik und Tanz im eigens errichteten Festzelt mit dem ganzen Dorf gebührend gefeiert, und diese Chronik wäre herzlos und kalt, wenn sie nicht die Namen der damals Beteiligten noch einmal in Erinnerung rufen würde: Unter Leitung des Fußball-Obmanns Manfred Seifert und des Abteilungsleiters Christoph Schlömer errangen mit dem Trainer Mathias Krämer die Spieler Bruno Lassau, Hans Denda, Gerd Seifert, Rainer Föhrenbach, Günther Stark, Peter Greuel, Alfred Möller, Albert Tetzlaff, Manfred Wittig, Hans Peter Neuß, Franz-Josef Neuß, Dieter Klinger, Walter Mermagen und Wolfgang Schmidt den historischen Sieg. Dies alles ereignete sich während der Amtszeit des 1. Vorsitzenden Peter Neuß. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang die Gründung eines Förderkreises, der die in der Bezirksliga anwachsenden Kosten der Fußball-Abteilung zu kompensieren half.

Ein Jahr nach diesem Ereignis fand sich unter Leitung von Walter Mermagen zunächst eher unverbindlich eine Gruppe von Tischtennis-Freunden an zwei vereinseigenen Platten zusammen, um das Sportangebot der Teutonia weiter auszubauen. Seit der Anmeldung einer Seniorenmannschaft beim Westdeutschen Tischtennisverband im April 1974 leitete diese Gruppe dann eine Ära höchst erfolgreichen Spiels mit dem kleinen Ball ein, die mit der Anmeldung einer 2. Herrenmannschaft, einer Damenmannschaft, einer Mädchen- und einer Jungenmannschaft in ungeahnten Dimensionen verlief. Die besonders im Jugendbereich stark wachsende TT-Abteilung wurde ab 1977 von Wolfgang Sattler, ab 1979/80 von Josef Rosiak-Ehlen und ab 1984 wieder von Walter Mermagen geleitet, Eckhard Nolteernsting wurde Jugendtrainer der Abteilung. Bei dem Potenzial der TT-Abteilung waren Erfolge vorprogrammiert: Die 1. Herrenmannschaft erreichte 1982 die 1. Kreisklasse, ein Jahr später sogar die Kreisliga. Die 2. Herrenmannschaft stieg zum gleichen Zeitpunkt in die 2. Kreisklasse auf. Die Mädchenmannschaft wurde 2. in der Bezirksmeisterschaft und damit teilnahmeberechtigt für die Endrunde zur westdeutschen Meisterschaft. In Mülheim /Ruhr erreichte die Truppe in der Besetzung Birgit Busch, Sylvia Feuse, Iris Klatt und Heike Schreib den 4. Platz. Dieser Erfolg führte zur Meldung einer zweiten Damenmannschaft, die 1986 schon in die 2. Kreisklasse aufsteigen konnte. Ein Jahr später wurde die Mädchenmannschaft Kreispokalsieger. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre versiegte das Interesse der Widdersdorfer am Tischtennis-Spiel. Zum großen Bedauern der Vereinsführung musste die einst so erfolgreiche Abteilung aufgelöst werden. Wiederbelebungsversuche sind zwar bisher gescheitert, werden aber unverdrossen weiter unternommen …

Auch die fußballerische Entwicklung nahm keinen sehr erfreulichen Verlauf. Die 1. Mannschaft musste nach der Saison 83/84 die Bezirksklasse wieder mit der 1. Kreisklasse vertauschen, und das Jahr 1988 wird wohl als das schwärzeste in die fußballerische Vereinsgeschichte eingehen: Die 1. Mannschaft stieg in die 2. Kreisklasse (Kreisliga B) ab, die 2. Fußballmannschaft in die 3. Kreisklasse (Kreisliga C).

Das sportliche Debakel veranlasste den Vorstand unter dem damaligen 1. Vorsitzenden Franz-Josef Neuß dazu, der Jugendarbeit als Basis des Fußballbetriebs wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Daran arbeitete seit 1986 bereits Dietmar Probst mit Unterstützung seiner Ehefrau Waltraud. Sie legten mit unnachahmlichem Engagement und Enthusiasmus den Grundstein für eine Jugendabteilung, die in Fußballkreisen ihresgleichen sucht: Bis zu 12 Jugendmannschaften mit vielen Betreuern und Ehrenamtlichen bereichern heute nicht nur den Verein, sondern die Ortschaften Lövenich und Widdersdorf in sportlicher und sozialer Hinsicht!

In den letzten beiden Jahrzehnten tat sich viel, was man unter „sportlicher Diversifikation“ verbuchen könnte. Der Verein öffnete sich immer neuen sportlichen Ansprüchen und gehört heute mit ungefähr 1000 Mitgliedern zu den größten Anbietern für Sport und Fitness im Kölner Raum. So gründete das Ehepaar Tächl 1988die Wanderabteilung, die — mittlerweile auf über 30 Personen angewachsen — regelmäßige monatliche Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung Kölns unternimmt. Mehrtages-Wanderungen und Exkursionen unter bestimmten naturkundlichen Aspekten gehören zu den Spezialitäten der Gruppe.

1989 wurde eine Radtouristik-Gruppe ins Leben gerufen, die regelmäßige Ein- und Mehrtagestouren durchführt, gelegentlich an den Widdersdorfer Karnevalsumzügen teilnimmt und deren Spezialität die jährliche Ausrichtung des Volksradfahrens rund um Lövenich/Widdersdorf ist.

1996 nahm der Verein eine Wintersport-Abteilung unter seine Fittiche. Diese sehr aktive Gruppe ist auf ca. 130 Mitglieder angewachsen, begeistert mit ihrer jährlichen Ski- und Snowboard-Tour in die Alpen, unterhält ihre Aktiven mit Ausflügen und Aktionen während des Jahres und führt in jedem Herbst einen Ski-Bazar durch, der sich auch schon großer Bekannt- und Beliebtheit erfreut.

Dem Wellness- und Fitness-Trend des neuen Jahrtausends kommt der Verein derzeit mit einer Walking- und einer Jogging-Gruppe entgegen, die im Frühjahr 2003 eingerichtet wurden. Über die Dauer der Installation lässt sich heute nur spekulieren, das Anfangsinteresse gibt allerdings zu berechtigten Hoffnungen Anlass, wie es so schön heißt …

Das Jahr 2000 schließlich brachte die bisher letzte wirklich einschneidende Neuerung: Die Fusion der DJK Teutonia Widdersdorf mit Fortuna Lövenich. Dadurch eröffneten sich dem Verein und seinen Mitgliedern neue Möglichkeiten, ein weiter ausgebautes Sportangebot auf noch mehr Sportanlagen anbieten und nutzen zu können. Die Gründungsversammlung des neuen „Sportverein Lövenich/Widdersdorf 1986/27 e.V.“ fand am 5. Juni 2000 in der Gaststätte „Sion-Stube“ in Lövenich statt. Als 1. Vorsitzender des neuen Vereins wurde Peter Pfeifer gewählt, der dieses Amt bis zum 26. November 2012 ausübte.

Der Ausbau der Neubaugebiete in Lövenich und Widdersdorf-Süd zu Beginn des neuen Jahrtausends brachte eine ganz neue Dynamik in das Vereinsleben des SV LöWi. In zähen Verhandlungen mit Stadt und Generalinvestor Widdersdorf-Süd konnte die Vereinsführung den Neu- und Ausbau der Sportanlage Widdersdorf an alter Stelle, d.h. im Zentrum des „neuen“ Widdersdorf, festklopfen.

Die sogen. LöWi-Arena nahm dann ab Frühjahr 2007 in Form zweier Kunstrasenplätze in einer tiefergelegten und von einem Erdwall umgebenen Anlage Gestalt an, die ab Herbst 2008 bespielbar war. Das ebenfalls ausgehandelte Vereinsheim – eingebettet in die Umwallung – erfuhr am 25. Juni 2011 in Anwesenheit von Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes seine Grundsteinlegung und wird in der Gesamtheit mit den Sportplätzen eine der funktionalsten und schönsten Anlagen im Kölner Raum bilden.

Die Mitgliederzahl des Vereins entwickelte sich in dem Jahrzehnt seit der Fusion ebenfalls in ungeahnte Höhen. Im Herbst 2011 betrug sie fast 2.000 – der SV Lövenich/Widdersdorf gehört somit zu den zehn größten Breitensportvereinen Kölns. Die Vielfalt seines sportlichen Angebots konnte noch weiter ausgebaut werden: Seit März 2005 hat mit den „Cologne Crocodiles“ der American Football hier eine neue Heimat gefunden, seit 2010 sind Badminton- und Volleyballgruppen aktiv, 2012soll eine Boule-Gruppe ihre Aktivitäten aufnehmen. Zudem engagiert sich der Verein seit 2008 in zunehmenden Maß als Partner von Schulen und Kindergärten im Bereich der Ganztagsbetreuung. Auch der Rehabilitations- und Seniorensport wurde seitdem aufgegriffen und mit der Deutschen Sporthochschule als Partner fundiert in die Praxis umgesetzt.

Die 1. Fußballmannschaft stieg nach längerer Stagnation im Jahre 2007 wieder in die Kreisliga A im Rhein-Erft-Kreis auf, die 2. Mannschaft folgte im Jahre 2011 in die Kreisliga B.

Einen besonderen Triumph konnten die Alten Herren Ü 50 um Betreuer Hans-Peter Neuß im Jahre 2011 feiern. Ihnen gelang eine kleine sportliche Sensation mit dem Mittelrhein-Meisterschaftshattrick, d.h. sie konnten die Verbandsmeisterschaft aus den Jahren 2009 und 2010 wiederholen. Schon zuvor waren sie 2003, 2004 und 2007 die Besten im Fußballverband Mittelrhen gewesen und hatten an den Westdeutschen Meisterschaften in Duisburg teilnehmen dürfen (Vizemeister 2009). Die Zahl der Ü 50-Kreismeisterschaften ist wegen ihrer Vielzahl nicht mehr exakt nachzuvollziehen.

Am 26. November 2012 gab der Vereinsvorsitzende Peter Pfeifer nach zwölfjährigem erfolgreichen Wirken sein Amt auf. Er hatte die Realisierung der LöWi-Arena sowie des ersten Vereinsheims zu seinem besonderen Anliegen gemacht und übergab während der ersten Mitgliederversammlung im neuen Haus die Geschäfte an seinen Nachfolger Markus Albrecht. Dieser war von den anwesenden Vereinsmitgliedern einstimmig in das Amt gewählt worden.